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Statik bei Formstahl

Tragfähigkeit entsteht aus Profilform, Spannweite, Lagerung, Stahlgüte und Anschlussdetails.

Kurz erklärt

Ein Stahlprofil trägt nicht allein wegen seines Namens. Entscheidend sind Lasten, Spannweite, Einbaulage, Lagerung und die Art der Verbindung.

Statik bei Formstahl im Überblick

Statik von Formstahl verstehen. Das Foto zeigt typische Oberflächen, Kanten und Querschnittsmerkmale, die bei Auswahl und Bearbeitung wichtig sind.

Stahlträger auf Auflagern mit Last
Statik von Formstahl verstehen

Wie viel trägt ein HEA-Träger?

Die Tragfähigkeit eines HEA-Trägers ist keine feste Eigenschaft wie eine Artikelnummer. Ein HEA 200 kann in einem kurzen, gut gelagerten Aufbau sehr hohe Lasten aufnehmen, bei größerer Spannweite oder ungünstiger Lagerung aber schnell zu weich werden. Entscheidend sind Profilgröße, Stahlgüte, Spannweite, Lagerungsart, Lastverteilung und die Frage, ob der Träger gegen seitliches Ausweichen gehalten ist.

Kurz gesagt Ein HEA-Träger wird über zwei Dinge beurteilt: Er darf unter Last nicht überbeansprucht werden und er darf sich nicht unzulässig stark durchbiegen. Für die Vorauswahl helfen Tabellenwerte. Für tragende Konstruktionen ist immer eine statische Berechnung erforderlich.

Welche Kennwerte sind wichtig?

Für eine erste Einschätzung werden vor allem das Flächenträgheitsmoment Iy und das Widerstandsmoment Wy betrachtet. Iy beschreibt die Biegesteifigkeit und beeinflusst die Durchbiegung. Wy beschreibt, welche Biegespannung im Profil entsteht. Das plastische Widerstandsmoment Wpl wird für überschlägige Momententragfähigkeiten genutzt.

ProfilGewicht ca.Iy ca.Wy ca.Wpl ca.
HEA 14024,7 kg/m1.033 cm4155 cm3173 cm3
HEA 16030,4 kg/m1.673 cm4220 cm3245 cm3
HEA 18035,5 kg/m2.510 cm4294 cm3325 cm3
HEA 20042,3 kg/m3.692 cm4389 cm3429 cm3
HEA 22050,5 kg/m5.410 cm4515 cm3568 cm3
HEA 24060,3 kg/m7.763 cm4675 cm3745 cm3
HEA 26068,2 kg/m10.450 cm4836 cm3919 cm3
HEA 28076,4 kg/m13.670 cm41.013 cm31.112 cm3
HEA 30088,3 kg/m18.260 cm41.260 cm31.383 cm3

Richtwerte für die Vorauswahl. Maßreihe, Ausführung, Stahlgüte und Berechnungsansatz müssen im Projekt geprüft werden.

Überschlag für gleichmäßig verteilte Lasten

Bei einem einfachen Einfeldträger mit gleichmäßig verteilter Last entsteht das größte Biegemoment in Feldmitte. Überschlägig gilt: M = q x L² / 8. Dabei ist q die Streckenlast in kN/m und L die Spannweite in Metern.

Das aufnehmbare Moment hängt vom Widerstandsmoment und der Streckgrenze ab. Bei S235 wird häufig mit fy = 235 N/mm2 gerechnet, bei S355 mit fy = 355 N/mm2. S355 erhöht die mögliche Biegespannung, macht den Träger aber nicht steifer. Die Durchbiegung bleibt bei gleicher Profilgröße nahezu gleich, weil sie vom Elastizitätsmodul und von Iy abhängt.

Beispiel: HEA 200 bei 5 m Spannweite

Ein HEA 200 hat ein plastisches Widerstandsmoment von rund 429 cm3. Daraus ergibt sich bei S235 überschlägig eine Momententragfähigkeit von etwa 100 kNm. Bei 5 m Spannweite entspricht das rechnerisch einer Streckenlast von ungefähr 32 kN/m, wenn nur das Biegemoment betrachtet wird.

Diese Zahl ist keine Freigabe für eine Konstruktion. Eigengewicht, Sicherheitsbeiwerte, Auflager, Anschlussdetails, seitliche Halterung, Einzellasten und die zulässige Durchbiegung können die tatsächlich nutzbare Last deutlich verändern.

Warum Durchbiegung oft entscheidet

Ein Träger kann rechnerisch noch weit von der Materialgrenze entfernt sein und trotzdem ungeeignet wirken, weil er sich zu stark verformt. Bei Decken, Toranlagen, Maschinenrahmen oder Kranbahnen ist die Gebrauchstauglichkeit häufig strenger als die reine Tragfähigkeit. Übliche Grenzwerte werden projektbezogen festgelegt, zum Beispiel als Verhältnis zur Spannweite.

Praxisbeispiel Bei einer langen Spannweite kann ein kleinerer HEA-Träger das Biegemoment noch aufnehmen, aber zu stark durchbiegen. Dann hilft nicht nur eine höhere Stahlgüte, sondern meist ein steiferes Profil mit größerem Iy, zum Beispiel eine größere HEA-Abmessung oder ein HEB-Träger.

HEA oder HEB bei höheren Lasten?

HEB-Träger besitzen bei gleicher Profilhöhe mehr Material als HEA-Träger. Dadurch steigen Gewicht, Widerstandsmoment und Steifigkeit. Das kann bei kurzen, stark belasteten Trägern oder Stützen sinnvoll sein. Der Nachteil ist das höhere Eigengewicht, das Lieferung, Montage und Kosten beeinflusst.

Für eine wirtschaftliche Vorauswahl lohnt der Vergleich zwischen HEA-Trägern, HEB-Trägern, IPE-Trägern und der gewünschten Stahlgüte S355.

Häufige Fragen zur HEA-Tragfähigkeit

Wie viel trägt ein HEA 200?Das hängt vor allem von Spannweite, Lagerung und Lastart ab. Ein überschlägiger Momentenvergleich ist möglich, ersetzt aber keine statische Berechnung.
Hilft S355 immer?S355 erhöht die rechnerische Spannungsreserve. Gegen Durchbiegung hilft S355 jedoch kaum, weil die Steifigkeit des Profils gleich bleibt.
Kann man die Tragfähigkeit selbst berechnen?Für eine grobe Vorauswahl ja. Für tragende, genehmigungspflichtige oder sicherheitsrelevante Bauteile ist ein Tragwerksplaner erforderlich.
Welche Angabe braucht der Statiker?Profilabmessung, Stahlgüte, Länge, Lagerung, Lastannahmen, Anschlussdetails, Bohrungen, Schweißnähte und Korrosionsschutz.

Biegung und Durchbiegung

Bei Trägern ist nicht nur Bruch entscheidend. Oft begrenzt die zulässige Durchbiegung die Profilwahl.

Knicken und Kippen

Stützen können ausknicken, Träger können seitlich kippen. Aussteifungen und Lagerung sind daher Teil der Konstruktion.

Anschlüsse

Schrauben, Schweißnähte, Kopfplatten und Auflager müssen zur Profilgröße und zur Last passen.

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